03.09.10
09:30 Uhr

Und ich dachte, Werbung würde schon seit Jahrzehnten maschinell entworfen!

Vor ein paar Tagen schrieb Stuart Elliott in der New York Times in seinem Artikel “Don’t Tell the Creative Department, but Software Can Produce Ads, Too” über eine „Software” von BETC Euro RSCG, Paris, die mediokre, aber akzeptable Werbung automatisch generiert: CAI, für “Creative Artificial Intelligence”.

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02.09.10
11:46 Uhr

Musik app. Das kleine Westentaschen-Musikstudio im iPhone.

Es ist schon erstaunlich, was gerade mit den neuen iPhones und iPads (und den deutlich verbesserten Prozessoren) möglich wird. In loser Folge stelle ich euch daher für alle Musikmacher und Hobby-Jammer meine Apps vor, mit denen man einem kompletten mobilen Musikstudio für brauchbare Layouts ziemlich nah kommen kann. Natürlich ersetzt es nicht die professionelle Studioproduktion und zumindest beim iPhone -weniger auf dem iPad- sind sehr filigrane Editing-Funktionen nur dann möglich, wenn die eigene Sehstärke noch bei 100% liegt und man nicht unter allzu dicken Wurstfingern leidet.

Ganz App-typisch übernehmen dabei eine Vielzahl von Apps spezielle Einzelaufgaben. Über die Möglichkeit, sich die einzelnen Loops aber via WLan auf den eigenen PC oder Mac zu übertragen oder durch eine interne Audiocopy-Funktion direkt in anderen Apps weiter zu verarbeiten, ist ein kompletter Workflow nur mit iPhone-Apps denkbar.

Als erstes Tool habe ich ThumbJam für euch angetestet, womit man mit sehr brauchbaren Klängen (Samples) intuitiv eigene Loops und Layouts erstellen kann. Es schadet natürlich nicht, wenn man ein bisschen Wissen über Harmonie und Songaufbau mitbringt, aber die App lässt auch Einsteiger schnell zu brauchbaren Ergebnissen kommen. Und Spaß macht es allemal.

Ich habe in dem kleinen Video den Originalsound als weitere Spur immer wieder als zweite Audiospur reingemischt, damit nicht nur der mäßige Sound über das Kamera-Mikro zu hören ist, sondern auch der direkte, volle Klang. Und meine Stimme wird nächstes Mal auch noch etwas lauter ;-).

02.09.10
10:12 Uhr

Der Große Brockhaus oder Vom Ende einer Zeit

Ich bin mit den verschiedenen Ausgaben des Brockhaus groß geworden. Als Kind haben mir die älteren Ausgaben immer besser gefallen als die neuen, sie waren irgendwie exotischer, befriedigten eher meine Neugier auf das Unbekannte als die aktuellen Ausgaben. Das lag vielleicht auch daran, daß die alten Bücher immer so schön, nun eben, alt waren, zerlesen, teilweise vergilbt. Irgendwie wirkten sie geheimnisvoller. Und standen bei meinen Großeltern.

Vor fast genau zwei Jahren schon wunderte ich mich in “Warum der Brockhaus nicht Wikipedia ist”, daß der Brockhaus seiner Zeit hinterherhinkt. Freute mich zwar, daß er eine DVD brachte, empfand dies aber als Umweg auf dem Wege ins Netz.

Leider ist der Brockhaus immer noch nicht in der Realität angekommen – wie so manche große alte Marke und Institution. Das ist schade – vor allem aber wäre es zu verhindern.

Die 30 Bände der Enzyklopädie kann man für schlappe 3.000 Euro erwerben. Das Werk bekommt durch diese Preisstellung eine leichte Entrückheit aus der Realität unserer Tage. Der Mythos bleibt – allerdings wohl nur bei jenen, die mal einen Band in Ruhe zu Hause genießen konnten.

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01.09.10
17:00 Uhr

Stayfree: Von der Feuchtigkeit, die nicht aufkommen will

„Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Mißverständnisse“ war ein Satz, den ich insgesamt gar nicht mal so schlecht fand — trotz seiner unfreiwilligen Komik war und ist er auch heute noch quicklebendig und mit dem o.b.-Produkt nach wie vor assoziiert. Ein memetischer Klassiker und Snowclone, der mit einer Variable („Die Geschichte von X ist eine Geschichte voller Mißverständnisse“) oder zwei Variablen („Die Geschichte von X ist eine Geschichte voller Y“) fest in unseren Sprachschatz eingegangen ist. Laut Google überflügelt er beispielsweise zahlenmäßig deutlich Yogurettes „Ich stehe sogar manchmal nachts auf und hole X”, wird aber im Gegenzug ebenso deutlich geschlagen von „Dann klappt’s auch mit dem X“ von Calgonit.

Und nun versucht BBDO, Toronto, mit seinen Spots für Stayfree ein neues Kapitel in der Geschichte der Menstruationsprodukte aufzuschlagen.

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31.08.10
13:23 Uhr

Mundpropaganda im Schwitzkasten der Propaganda

Mundpropaganda ist nun wirklich kein Online-Phänomen, auch wenn das Web die Empfehlungsmechanismen der Menschen untereinander massiv beschleunigen kann. Nichts ist wirksamer als der gegenständliche, physische Einsatz von Produkten und Services, die in der Gemeinschaft wahrgenommen und ausgetauscht werden. Tupper lebt u.a. von diesen absatzdynamischen Gruppenprozessen, ergänzt durch ein Vertriebssystem, das zusätzlich den privaten Schutzraum der Verbraucher überwindet und direkt im heimisch vertrauten Umfeld stattfindet. Auch trnd, bei der Kollege Martin Oetting aktiv ist, setzt auf dieses Prinzip.

Wenn Leute sich also begegnen, auf Geburtstagen, Partys oder sonstigen Treffen, wird geredet. An erster Stelle steht übrigens oft der Austausch und das Sprechen über andere (gerade nicht anwesende) Menschen, meist in Teilgruppen oder im Vier-Augen-Gespräch. Tratsch ist also nichts anderes als eine bestimmte Form von Mundpropaganda.

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30.08.10
22:25 Uhr

Die Musikindustrie und die irrationale Logik des Zeitreisens

Ihr kennt das bestimmt: Ihr seht einen Film, in dem Wissenschaftler oder Denzel Washington oder Jean-Claude Van Damme durch die Zeit reisen und alle Logik irgendwie auf den Kopf stellen.

Dies gelingt der Musikindustrie auch öfter mal. Zum Beispiel werden bei 12-Jährigen die Kinderzimmer durchsucht ( “Schlag gegen Raubkopierer: Razzia in 12 Kinderzimmern”, sz-online) als wären sie Gewaltverbrecher und als hätten wir sonst keine Probleme.

Natürlich möchte die Brick&Mortar-Musikindustrie ihr Geschäftsmodell schützen, das ist verständlich. Das ist ja auch einfacher als ein neues, zukunftsfähiges, auf dem Internet aufbauendes Modell zu entwickeln. (Dann muß sie aber auch mit diesen Songs leben können.)

Momentan aber geht sie in ihrer irrationalen Logik ein bißchen zu weit, oder?

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Eure Kommentare

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  • bugsierer: sehr geile app, danke für die empfehlung. macht grossen spass, auch als nichtmusiker darauf zu jammen, sehr entspannend.
  • Raoul: Sehr interessanter Artikel. Zum einen kann die Software als Ideengeber dienen, wenn dem Faktor Mensch mal wieder gar nichts einfallen will...
  • Luis: Wikipedia in allen Ehren: Es ist Fast-Food-Wissen. Schnell zu bekommen, aber teilweise auch von unterschiedlicher Qualität. Dass man da...
  • ramses101: @Julian: Das ist Quatsch und der ist zum Beispiel auf die “Debatte” zwischen Inkludisten und Exkludisten zurückzuführen....
  • Julian: @Christian Schneider : Wer ein wenig versiert ist, weiß längst, dass Wikipedia Brockhaus schon vor einiger Zeit sowohl im Umfang, als auch...
  • Claus: Nur wenn Printwerbung neu, kreativ und einzigartig ist, ja nur dann komt der gewünschte Werbeeffekt zum Tragen. Auto-Sixt etwa beherzigt das...
  • Dalibor Karacic: Wenn ich die TV-Werbungen der letzten Jahre so verfolge, bin ich mir nicht sicher, ob diese Software nich schon längst im Einsatz...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Vielleicht noch ganz interessant in diesem Kontext fällt mir aus unserem Archiv noch was ein…...
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